
Wenn Malerei Raum bekommt: Doug Argue bei Galerie Kovacek
Katharina Schiff | 04.2026 | Original Article
Es ist einer dieser frühen Kunstabende in Wien, an denen die Stadt draußen noch im Alltag hängt, während sich in der Galerie Kovacek bereits alles um Kunst verdichtet. Schon vor 16 Uhr füllen sich die Räume in der Spiegelgasse 12 – nicht hektisch, eher erwartungsvoll. Der Anlass: die Eröffnung der Ausstellung des US-amerikanischen Künstlers Doug Argue, der persönlich aus New York angereist ist.
Was sofort spürbar ist: Das ist kein distanzierter Vernissage-Moment, sondern ein sehr unmittelbares Treffen zwischen Werk, Künstler und Publikum. Die neuen Arbeiten hängen ruhig im Raum, und genau diese Ruhe scheint sich auch auf die Besucher:innen zu übertragen.

Argue selbst wirkt präsent, aber unaufgeregt, fast selbstverständlich im Gespräch mit den Gästen. Immer wieder bleibt er bei einzelnen Arbeiten stehen, spricht über Prozesse, über Schichten, über das, was sichtbar wird und wieder verschwindet. Seine Verbindung zu Wien klingt dabei nicht konstruiert, sondern gewachsen – geprägt von wiederkehrenden Aufenthalten, Museumsbesuchen und einem langen künstlerischen Interesse an der Stadt.
Offiziell eröffnet wird die Ausstellung von Klaus-Albrecht Schröder, der sehr persönlich über Argues Malerei spricht – als eine Kunst, die sich nicht festschreiben lässt, sondern sich selbst ständig überschreibt. Auch Galeristin Sylvia Kovacek betont den langen Atem dieser Zusammenarbeit und die Freude, den Künstler erneut in Wien zu zeigen.

Was den Abend besonders macht, ist weniger das Formale als das Dazwischen: Gespräche, die sich zwischen den Bildern entwickeln, ein Glas in der Hand, ein kurzer Austausch über Farbe, Struktur, Bedeutung – und immer wieder dieser Moment, in dem man vor einem Werk kurz stehen bleibt, ohne gleich eine Erklärung zu suchen.
Später mischt sich der Raum stärker, die Gespräche werden länger, offener, persönlicher. Kunst wird hier nicht nur betrachtet, sondern verhandelt, geteilt, manchmal auch einfach nur gemeinsam angeschaut.
Begleitet wird der Abend von kleinen kulinarischen Details, Sekt und Wein aus dem Haus – nicht als Inszenierung, sondern als selbstverständlicher Rahmen für einen langen Gesprächsabend.
Die Ausstellung bleibt bis 9. Mai in der Galerie Kovacek – und wirkt schon nach diesem ersten Abend weniger wie eine Eröffnung als wie ein Beginn von etwas, das sich im Dialog mit den Besucher:innen weiterentwickelt.



